Geschichte
Der Concours 1929 - 1949
Zwanzig Jahre legendärer Eleganz
Der internationale Concours d’Elégance für Automobile um die "Coppa d’Oro Villa d’Este", fand zum ersten Mal am 1.9. 1929 auf gemeinsame Initiative des Automobilsclubs von Como, des Grand Hotel Villa d’Este und des Comitato di Cura di Como statt. Die berühmten Austragungsorte und die einzigartige Lage, zusammen mit der unnachahmlichen Schönheit der Gärten der Villa Olmo und des Grand Hotel Villa d’Este, gaben der Veranstaltung eine einzigartige, von Beginn an herausragende Stellung, nicht zu vergleichen mit zahlreichen ähnlichen Veranstaltungen und Wettbewerben an anderen bekannten Standorten.
Mit mehr als 80 Teilnehmern und Automobilen allerhöchster Qualität schon beim ersten Concours, konnte sich der Concorso di Villa d’Este bereits zu Beginn mit anderen prestigeträchtigen Wettbewerben in Paris und Monte Carlo messen. Beim ersten Concours ging im Übrigen der 1. Preis an einen Isotta Fraschini mit Karosserie-Design von Sala, quasi als Schwanengesang auf das Ableben dieser berühmten Marke.
Dies war lediglich zwei Monate vor dem Crash an der Wall Street in New York. Zugleich markierte dies den Beginn einer dreijährigen Krise, die letztlich zu einer völligen Neuorientierung von gesellschaftlichen, menschlichen und philosophischen Werten führte – und zu einer beschleunigten Rationalisierung der Automobilproduktion, die, zumindest auf dem europäischen Kontinent, dem Gigantismus im Automobilbau ein für allemal ein Ende setzte. Dennoch konnten sich verschiedene Karosseriefirmen weiterhin noch etwa 20 Jahre auf dem Markt halten, in einer Schaffensphase mit neuen Höhepunkten des kreativen Ausdrucks, die wohl bis heute unerreicht bleiben.
Beim Concorso di Villa d’Este im Jahre 1930 wurde das Gran Premio Referendum, ein neuer Preis auf der Grundlage einer Geheimabstimmung durch das Publikum, eingeführt. Sowohl die Öffentlichkeit als auch die Fachjury waren sich hierbei über den Sieger einig: ein Lancia Dilambda mit einer Karosserie in klassischer Eleganz von Stabilimenti Farina.
Höhepunkt des Concours im Jahre 1931 war die Vorstellung der "Flying Star" Versionen des Alfa Romeo 6C 1750 GS und des Isotta Fraschini 8ASS von Touring, zwei traumhafte Zweisitzer, beide in ungewöhnlichem Elfenbeinweiß. Das erste dieser beiden Fahrzeuge, teilweise auch aufgrund des sympathischen Wesens der Fahrerin, Josette Pozzo, überzeugte auch das Publikum, nachdem es bereits von der Fachjury den 1. Preis erhalten hatte. Der schnittige Alfa Romeo 1750, heute noch in einer amerikanischen Sammlung zu bewundern, nahm daher gleich zwei Grosse Preise mit nach Hause, nicht nur eine ungewöhnliche Leistung, sondern auch ein klares Zeichen des großen Interesses am Design des Karosseriebauers aus Mailand.
Die erste Serie der vom Grand Hotel Villa d’Este gesponserten Veranstaltungen endete im Jahre 1932, nachdem das Organisationsformat (das auch als Inspiration für die Revival-Veranstaltung im Jahre 1999 diente) bis dahin seinen absoluten Höhepunkt in der Entwicklung erreicht hatte. Angesichts seiner Bedeutung und Popularität fand das Gran Premio Referendum auf ausdrücklichen Vorschlag des Vorsitzenden des Kurbetriebs des Grand Hotel Villa d’Este und nach entsprechender Abstimmung auf der Terrasse des Gran Hotel als Ausklang der Veranstaltung statt.
Ein weiter verbessertes Modell von Touring - im Jahre 1932 war dies ein im Prinzip einfach gestalteter, aber sehr schnittiger Alfa Romeo 8C 2300 Coupé Spider - überzeugte auch im nächsten Jahr sowohl die Fachjury als auch das Publikum. Zwar auf einer anderen Ebene, aber mit ebenso großem Zuspruch seitens des Publikums gaben die kleinen Fiat Balillas ihr Debüt als Limousine und in zahlreichen Sondervarianten – ein klares Zeichen für die typisch italienischen Gegensätze bei luxuriösen Alltagsfahrzeugen. Gleichzeitig gab es jede Menge anachronistischer Raritäten wie den Isotta Fraschini mit Art Déco Styling vom Karosseriebauer Hartmann aus Lausanne.
Der immer größer werdende Erfolg des Concours hatte inzwischen die Aufmerksamkeit des Regime geweckt. So war es keine Überraschung, dass die Regierung bei der Preisverleihung in der Person von Attilio Teruzzi, damals Stabschef der italienischen Streitkräfte und später Kabinettsminister in Italien, vertreten war.
1933 entschied sich die Veranstaltungsfirma des Grand Hotel Villa d’Este aus bis heute unbekannten Gründen sich von der Organisation der Veranstaltung zurückzuziehen, sodass der Automobilclub von Como die Gesamtverantwortung übernahm. Nachdem Prinzessin Maria José als Förderin des Concours gewonnen werden konnte, wurde die Veranstaltung in "Coppa d’Oro Principessa di Piemonte" umbenannt und fand ausschließlich, inklusive der Preisverleihung, in der Villa Olmo statt – allerdings ohne das Publikumsreferendum, das nicht mehr durchgeführt wurde.
Während der nun folgenden Dreijahres-periode in der die Regierung dem Land Italien immer mehr Sanktionen auferlegte und so letztendlich die politische Isolation einleitete, wurden die Linien der Fahrzeuge stets fließender und vielleicht etwas weniger aufregend. Die kosmopolitischen Qualitäten und die Beliebtheit der Veranstaltung blieben jedoch unangetastet: inzwischen galt Como im Herbst als Höhepunkt für die neuesten Modetrends und Errungenschaften im Karosseriebau. Ab 1934 erfolgte eine kleine Innovation durch die Einführung einer Damenmodenschau mit Präsentation von Kleidern aus den führenden Modehäusern in Mailand.
In seiner Funktion als Präsident des Königlich-Italienischen Automobilclubs autorisierte Prinz Aimone di Savoia-Aosta die Veranstalter 1935 eine Reihe von Preisen einzuführen, benannt nach seinem eigenen Titel als Herzog von Spoleto. Der höchste und wichtigste Preis (der übrigens jedes Jahr vergeben wurde und daher eine immer neue Herausforderung darstellte) war jedoch die Coppa Principessa di Piemonte. Diesen Preis gewann die in Serie gebaute Fiat 1500 Limousine in ihrer Klasse, während die recht konservative Jury einige interessante aerodynamische Limousinen von Pininfarina und Castagna schlichtweg überging.
Ein gewisser Rückgang in der Teilnehmerzahl auf nur noch 80 im Jahre 1935 – während es früher stets mehr als 100 Teilnehmer gegeben hatte – war vielleicht ein Anzeichen für mangelndes Interesse. Dennoch ist bis heute unbekannt welche Schwierigkeiten zur Stornierung der Veranstaltung im Jahr 1936 führten.
Danach fand der Concours wieder am 12.9.1937 statt, diesmal unter der Schirmherrschaft des Automobilclubs von Como und mit einem Wiederanstieg der Teilnehmerzahl auf mehr als 100. Besonders auffällige Fahrzeuge waren aber in diesem Jahr nicht dabei, so dass der 1. Preis für handgebaute Einzelanfertigungen dieses Mal an ein Cabriolet von Pininfarina auf einem Fahrgestell des Lancia Aprilia ging. Anzufügen ist hier, dass, wie bereits im Jahre 1935, einige in Serie gebaute Fahrzeuge in mehreren Exemplaren gezeigt wurden, lediglich mit unterschiedlicher Lackierung.
1937 war das Jahr der neuen Alfa 6C 2300B Limousine mit einer von Portello entworfenen und gebauten Serienkarosserie. Während dieses Fahrzeug in seiner Klasse gewann, wurde ein weiterer Alfa Romeo aus unerklärlichen Gründen in der Kategorie der Einzelanfertigungen von der Jury ignoriert. Dies war ein von Pininfarina aerodynamisch gestalteter Berlinetta, vermutlich auf einem Fahrgestell vom Typ 8C 2900.
1938 führte eine allgemeine Krise in der Automobilindustrie zur Absage der Automobilmesse Mailand und auch zur Absage des Concours in Como. Dann kamen die ersten Vorboten des Krieges, und aufgrund eines Erlasses vom 4. September 1939 verschwanden Privatautos gänzlich von der Strasse.
Im September 1940 war Italien bereits seit drei Monaten im Krieg und die Produktion von Zivilfahrzeugen vorübergehend beendet. Auch der Concours fand nicht mehr statt.
Die Rückkehr zu den glorreichen Veranstaltungen der Vorkriegsjahre gestaltete sich langwierig und kompliziert. Die Organisationsstruktur der am 27. und 28. September 1947 stattfindenden Veranstaltung bewies aber klar, dass die Automobilindustrie alles daran setzte, wieder zum Leben erweckt zu werden. Agiler und weniger von den Folgen des Krieges und den angerichteten Schäden betroffen, waren die Karosseriebauer die ersten, die den Concours wieder förderten, in ihrem Versuch, die alte Tradition wieder aufleben zu lassen. Auch eine authentische “Mini“- Automobilausstellung fand im darauf folgenden November im Mailänder Palazzo dell’Arte statt, auch hier auf Anregung der Karosseriebauer und in Abwesenheit der Automobilhersteller.
Zu dieser Zeit wartete bereits eine neue Generation von Designern – mit Giovanni Michelotti an vorderster Front – ungeduldig auf neue Entfaltungsmöglichkeiten, während sich auf der Hauptbühne der Villa Olmo ein Reichtum an Designkonzepten einen harten Wettkampf lieferte.
Gewinner in den Augen der Jury war ein extravagantes Lancia Astura Cabriolet mit Karosserie von Stabilimenti Farina, während der Publikumspreis, das Gran Premio Referendum, an eine avantgardistische, aerodynamische Limousine vom gleichen Karosseriebauer auf dem Fahrgestell eines Alfa Romeo 6C 2500 Sport ging. Dies war übrigens nicht das erste Mal, dass sich das Publikum reifer und kenntnisreicher zeigte als die Experten. Eine weitere Ungerechtigkeit seitens der Jury war die Entscheidung, den sensationellen Cisitalia Berlinetta – das Auto, das Jahrzehnte später zum wichtigsten Symbol der kreativen Genialität von Pininfarina werden sollte – lediglich gemeinsam mit einem andern Fahrzeug in seiner Klasse auf den ersten Platz zu wählen.
Die von Touring eingereichten, etwas nüchternen Designvorschläge, erhielten noch weniger Verständnis und Anerkennung. Abgesehen von den durch die Arbeit der Jury ausgelösten Kontroversen war die Veranstaltung aber durchaus ein Erfolg. Die damals knappen Ressourcen führten dennoch seitens der Ausrichter zu der Überzeugung, den Concours ab jetzt nur noch alle zwei Jahre auszurichten.
Nachdem also 1948 die Veranstaltung ausfiel, hatte der Concours 1949 alle Zutaten und Höhepunkte für einen denkwürdigen Erfolg, einschließlich der – zumindest aus moderner Sicht gesehenen – nostalgischen Erinnerung an eine Veranstaltung, die das Ende einer Ära darstellte, einer Ära in der die italienischen Karosseriebauer alle mit voller Kapazität arbeiteten. Wiederum nahmen mehr als 100 Fahrzeuge teil, mit sehr fein ausgewogenen und klassisch orientierten Designkonzepten der bekanntesten Namen – derjenigen eben, die sich als erste vom “Innovationsfieber“ im Jahr 1947 erholt hatten.
Die Veranstaltung des Jahres 1949 zeigte einen klaren Widerspruch zwischen der von der Jury geäußerten Meinung, die sich für eine zwar klassische aber kaum spannende Leichtbaulimousine von Ghia entschieden hatte, und dem Ergebnis des Referendums, in dem das Publikum sehr viel mehr Intuition zeigte und die Coupé-Version des Alfa Romeo 6C 2500 SS von Touring als absolutes Meisterwerk anerkannte. Eben dieses Modell wurde bereits im Augenblick der Preisvergabe durch die Öffentlichkeit als “Villa d’Este” bezeichnet und leistete damit einen wesentlichen Beitrag zur Weiterverbreitung des Namens dieser nahezu königlichen Residenz in der Welt des Automobils.
Die ursprünglich für September 1951 geplante Veranstaltung fand nie statt – der italienische Motorsportverband hatte am 24. Juli in einer Presseverlautbarung bekannt gegeben, dass der Concorso bis auf weiteres verschoben worden sei. Während die Fachpresse darauf spekulierte, dass im Jahre 1952 ein neuer, alle drei Jahre stattfindender Wettbewerb aus der Taufe gehoben werden könnte, war bis dahin die Krise bei den Karosseriebauern so groß geworden, dass nur einige wenige Firmen, die sich in die Industrieproduktion retten konnten, nicht gezwungen waren, für immer zu schließen.





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